33. Vis Moot – Team Saarland

Der Vis Moot Court in Wien wird vom Verein zur Veranstaltung und Förderung des Willem C. Vis International Commercial Arbitration Moot organisiert in Zusammenarbeit mit UNCITRAL (United Nations Commission on International Trade Law), renommierten Schiedsinstitutionen und der Rechtswissenschaftlichen Fakultät in Wien. Ziel des Moot Courts ist es, das Studium von internationalem Zivil- und Handelsrecht und Streitschlichtung für Streitigkeiten im internationalen Business-Bereich durch die konkrete Anwendung eines Problems zu unterstützen.
Von der Veröffentlichung des Problems im Oktober 2025 bis zum Abschluss im April 2026 in Wien arbeitete das Team der Universität des Saarlandes mit vollem Fokus an ihrer Teilnahme am 33. Vis Moot. Es setze sich zusammen aus Salome Gomarteli, Mariam Putkaradze, Andrés Fernández Kessler, Victoria Travieso Hernández und Javeria Hafeez. Die Betreuung übernahm weiterhin Prof. em. Dr. Dr. h.c. mult Helmut Rüßmann unterstützt von den Coaches Mika Schieffer, Elinam de Souza, LL.M., und Eva Wingler.
Das diesjährigen Moot Problem drehte sich um den Verkauf von Orchideen, in Anspielung an die Nationalblume Singapurs, da die Schiedsverfahrensregeln des Singapore International Arbitration Centre (SIAC)im 33. Vis Moot Anwendung fanden. Die Klägerin, ein Unternehmen, dass sich auf die Zucht und den Verkauf von besonderen Blumen spezialisiert, verlangte Schadensersatz für den Deckungsverkauf, den sie aufgrund der Nichterfüllen eines Vertrags über den Handel einer speziellen artenschutzgefährdeten Sorte Orchideen tätigte. Bei der Beklagten handelte es sich um die Gewürzsparte eines großen Lebensmittelunternehmens, welches die Blumen zum Gewinn von hochwertiger Vanille nutzen wollte. Dafür hatte es nach Aufkauf eines Vorgängerunternehmens den bereits existierenden Vertrag mit der Klägerin neugeschlossen und auf ein größeres Volumen erweitert. Kurz vor der geplanten Lieferung änderte das Komitee des Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) die Klassifizierung der Orchidee mit der Folge, dass der internationale Handel verboten werden sollte. Vor einer solchen Entscheidung hatte die Klägerin gewarnt und eine frühere Lieferung verlangt. Die Beklagte vertraute aus gängiger Praxis darauf, dass das Verbot nicht unmittelbar gelten würde und, dass ihr Herkunftsland weiterhin Einfuhrerlaubnisse erteilen würde, eine Fehleinschätzung. Die Beklagte macht nun die „Force Majeure“ Vorschrift des CISG und des Vertrags geltend und beruft sich darauf nicht schadensersatzpflichtig zu sein. Hilfsweise lehnt sie die Berechnung des Schadensersatzes durch die Deckungsverkaufsvorschrift des CISG ab, da der Verkauf von der Klägerin getätigt wurde bevor der Vertrag offiziell terminiert war. Auf der prozessualen Seite mussten sich die Studenten mit dem Inhalt der vertraglichen Schiedsgerichtsbarkeitsklausel und der Frage beschäftigen, ob die SIAC-Regeln 2016 oder 2025 auf das Verfahren Anwendung finden. Darüber hinaus ging es um die Frage, ob der Antrag der Beklagten auf Zugriff auf die Verträge der Klägerin bezüglich Drittparteifinanzierung stattgegeben werden sollte. In zwei Schriftsätzen schlüpften die Studenten in die Rollen der Vertreter beider Seiten und konnten so lernen wie man die Interessen des eigenen Mandanten in einem Rechtsdisput verteidigt.
Von Ende Januar bis Ende März bereitete sich das Team in der mündlichen Phase mit Plädoyers zu eben jenen Fragen auf den Wettbewerb in Wien vor. Hierzu nahm das Team an Pre-Moots in Stuttgart (Gleiss Lutz), Fribourg, Athen, Brüssel (Linklaters und White & Case) und Belgrad teil. Vom 27. März bis zum 02. April fand dann in Wien der mündliche Wettbewerb statt. In der diesjährigen Edition nahmen 384 Teams aus allen Ländern und Jurisdiktionen teil.
Weitere Informationen zum Vis Moot finden sie auf der offiziellen Website: https://www.vismoot.org
Bericht von Mika Schieffer
