65 Jahre Europa-Institut 


Ein Blick zurück

Mit europäischer Perspektive und unter Verschmelzung französischer und deutscher Bildungstraditionen öffnete die seinerzeit zweisprachige Universität des Saarlandes im November 1948 ihre Pforten. Diese erste, nach dem Zweiten Weltkrieg neu gegründete linksrheinische Hochschule entstand in der damaligen Sondersituation des politisch teilautonomen und ökonomisch durch Wirtschafts- und Währungsunion mit Frankreich verbundenen Saarlandes unter der Ägide Frankreichs und der Universität Nancy. Bereits während des Gründungsprozesses wies man der neuen Universität die Aufgabe einer „internationalen Ausstrahlung“ und einer „Brücke zwischen Frankreich und Deutschland“ zu, und es war sicher kein Zufall, dass der Pionier der Europäischen Einigungsbewegung und französische Außenminister Robert Schuman im Dezember 1948 zu den ersten Besuchern auf dem Saarbrücker Campus zählte.

„Europa! Das ist das Wort, das wir als Losung und Parole wählen, indem wir uns als europäische Universität bekennen […] und wir wollen aus Saarbrücken einen europäischen Kreuzweg machen.“

Mit dieser Proklamation übernahm am 6. November 1950 der französische Germanist Prof. Dr. Joseph-François Angelloz sein Amt als zweiter Rektor der Universität. Als „Krone und Symbol der Universität“ wurde bereits ein Jahr später, am 6. November 1951, das neue „Europäische Institut“ aus der Taufe gehoben.

Das Institut „stellte sich die Aufgabe, an der Gestaltung Europas mitzuarbeiten, indem es einen wissenschaftlichen Unterricht über europäische Fragen erteilt und aus einer europäischen Perspektive den Lehrstoff zu behandeln versucht.“

Zur Ausbildung junger Saarländer für den diplomatischen Dienst und die Verwaltungslaufbahn wurde 1953 auch eine „Diplomatische Sektion“ eingerichtet, zu deren Dozenten auch Peter Scholl-Latour gehörte.
Die politischen Veränderungen zwischen 1955 und 1957 – in der Volksabstimmung vom 23. Oktober 1955 hatte die saarländische Bevölkerung die von Adenauer und Mendès France vorgesehene Europäisierung der Saar abgelehnt, und nach der Lösung der Saarfrage durch den Luxemburger Vertrag war das Saarland 1957 politisch und 1959 ökonomisch der Bundesrepublik beigetreten – tangierten auch die Universität des Saarlandes, die den Übergang von einer „europäischen“ zur Landesuniversität vollzog.

Im Zuge des universitären Umbruchs wurde die ursprünglich vor allem kultur- und literaturwissenschaftlich geprägte Einrichtung schließlich in ein stärker juristisch und ökonomisch ausgerichtetes Europäisches Forschungsinstitut unter der Direktion des ersten deutschen Rektors, des Juristen Heinz Hübner, umgewandelt.
Seit dem Wintersemester 1957/1958 bot man ein „Fortbildungsstudium auf dem Gebiet der innereuropäischen Beziehungen und der europäischen Organisationen“ an. 1972 wurde das bislang fakultätsfreie Institut in den Fachbereich Rechtswissenschaft der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät überführt. Dank des 1980 eingerichteten einjährigen juristischen Masterstudiengangs gewann das Europa- Institut herausragendes nationales und internationales Renommee und eröffnet seitdem mit einem facettenreichen Studienprogramm Studierenden aus allen Kontinenten berufliche Perspektiven in einer global vernetzten Welt.
Als weltweit renommiertes Kompetenzzentrum dokumentiert das Europa-Institut auch mehr als 65 Jahre nach seiner Gründung eindrucksvoll die Europa-Tradition unserer „Universitas Saraviensis“.

Dr. Wolfgang Müller, Universitäts-Archivar der Universität des Saarlandes